Aus dem rechten Wege zu der hermetischen Kunst, nebst Anmerkungen über die Irrwege – Teil 1

Aus dem rechten Wege zu der hermetischen Kunst, nebst Anmerkungen über die Irrwege – Teil 1

Dem Leser möchte ich präsentieren des folgende Werk “Aus dem rechten Wege zu der hermetischen Kunst, nebst Anmerkungen über die Irrwege”. Der Verfasser ist mit Anonymo angegeben; verlegt wurde das Werk 1773 in Frankfurt und Leipzig von Johann George Fleischer.

Inhalt ist die Erörterung der Hermetik. Obwohl der Autor sich an den Anfänger wendet, wird der Inhalt sehr alchemistisch verpackt – der Inhalt jedoch und das Erscheinungsdatum bedingen dies. Nun zum Inhalt.

Es ist nicht jedermann zu rathen, sich zu dieser allerverborgensten Wissenschaft und Kunst zu wenden: unter tausenden kann kaum einer dazu gelangen, weil sie nicht wissen, was sie suchen und wo es zu finden ist; weil sie glauben, ein jedes Subjectum schicke sich zu ihrem Vorhaben, und lassen sich durch falsche Begriffe als Anweisungen, zu eingebildeten Universalien und Particularien, ihre Sinnen betäuben, daß sie das Naturgemäße vernünftige nicht erkennen können. Art mit Art, Geschlecht mit Geschlecht, kann durch einen vernünftigen Künstler verwandelt und verbessert werden, aber nicht in einer fremden.

Wir müssen der Natur, als Rathgeberin folgen und ihr Vornehmen wohl betrachten: diese wirket ganz einfältig, wenn sie ein Ding nach seiner Art zu vermehren oder zu verbessern vornimmt.

Denen unschuldigen Anfängern zu Liebe, will ich 1) einige Irrwege bekant machen, sich zu hüten; und 2) den rechten Weg anzeigen: damit sie nicht Zeit und Kosten verlieren dürfen.

1. Unter denen Irrwegen, will ich

1) die sogenannte Luftfischer rügen. Diese wollen ihre Chaotische Materie zu rechter Zeit mühsam und rein einsammeln, ja in reinen Gläsern bestens verwahren. Sie suchen des Hermes Vögelein vor Aufgang der Sonnen, wenn sie im Früling im Widder gehet, feurig, voll Astralsalz zu fangen, und anhaltend einen guten Vorrat zu sammeln, durch Odem-Anziehung der freien Luft, mit ihrer Zunge, und Einhauchung in bequeme Glasflaschen, zu ihrer Entkräftung. Solch Odemwasser suchen sie, wie sie sagen, durch ihr Magisch−Feuer und Ofen, in einer Glasschale mit einem gleichen Pistill, als ihren magischen Stab, mittelst Bewegung, in eine Milch und diese soll in die vermeinte jungfräuliche Erde, die im Wasser und Luft über dem Haupt geschwebet, und nie betreten sey, zu verwandeln, und davon Wind zu ärnten.

2) Die andern sind die Speichelsammler aus dem 10. Loch des Menschen, welchen sie ausfaulen lassen, und die abgeschiedene reine Materie auszuarbeiten alles anwenden.

Beyde nennen sich Universalisten: aber des Hermes Worte sind ganz anders zu verstehen und anzuwenden. ––––––

Graf Bernhard sagt im 2. Theile mit ächtem Grunde, daß die prima et proxima materia metallorum ein doppelter Merkur; die vier Elemente (in ihrer Zertheilung) die entfernteste Materie sey. Auch Sendivog: daß man nicht in den vier Elementen den Metallsamen suchen, oder machen solle, was bereits von der Natur erschaffen sey. Unter der öftern Vorstellung der Elemente haben die Weisen das hauptsächlichste der Kunst verborgen.

3) Die Pflanzen− und Kräuter−Philosophen. Diese vermeinen eben wie die vorigen gleich recht zu haben: Beide berufen sich auf der Weisen Sprüche. Jenen dient zur Antwort: daß unsere Materie, da alles, was in der Welt ist, aus den Elementen seinen Ursprung hat, eben sowohl als andere Dinge, aus derselben Eigenschaften bestehet, folglich von denen Elementen zusammen gesetzt ist. Diesen Vegetabilisten aber sagen wir: Ganz natürlich wächst der Weisen Materie in ihrer Art, wie die Vegetabilien und Animalien, doch nicht so geschwind, sondern in sehr langer Zeit, dadurch sie je länger je ädler, und den Kennern desto angenehmer wird; die andere Ursache, warum sie dieselbe so nennen, gehört noch nicht hieher.

4) Theils wissen aus den Animalien, vornämlich denen Excrementen, das Geheimnis zu bereiten, oder wenigstens, wie sie in Irrthum wähnen, einen unvergleichlichen Geist und Salz, für den Menschen: und die Metall-Körper: alles aber umsonst und nichtig !

5) Andere sind die Schlüsselmacher: sie haben kleine, grosse und einen Haupt- oder Universal-Schlüssel, nach dem Unterscheid der Schlösser. Hauptsächlich bestehen diese aus corrosiven Wassern, nach unterschiedener Fertigungs-Methode, ja aus unterschiedenen Materien, von Salpeter, Küchensalz, oder Vitriol, besonders dessen Ungarischer Miner; oder aus verfaultem Urin zum Hauptschlüssel; welchen andere vielmehr wieder aus den vier Reichen zusammen bereiten, als aus Manns−Urin, Weinessig, Salpeterlauge und frischem Kalk, daraus sie einen tapfern vierfachen Geist machen, welcher der Hauptschlüssel derer Körper aller vier Reiche seyn muß, die animam solis auszuziehen.

6) Aus diesen entstehen die Gradirwasserköche, das feine Silber in Gold zu erhöhen, deren wieder eine vergebliche grosse Menge sind: und haben noch nicht gelernt wie sie ihre in Gold vermeintlich verwandelte Lunam cornuam, ohne Verlust reduciren können; ja ein gut Theil des Silbers geht immer verlohren. Ach euer Wasser geht nicht aus dem rechten Brunnen, euer corrosive Dämpfe sind denen Metallen mehr schädlich als nützlich, sucht ein anderes, denen Metallen angenehmes Wasser, das mit ihnen verwandt, bey ihnen bleibt, und mit dem Metall zu Metall wird; eure corrosiven Wasser fliegen immer davon, und berauben vielmehr die Metalle, anstatt sie zu bessern.

7) Dann folgen die Cementkünstler, die im trocknen Wege auch so viel zu leisten vermeinen, was die vorigen im nassen, und statt verbessern, die Metalle verderben. Wer kann denn in Wahrheit durch Blutstein, Eisenrost, Galmei, Zinnober, Salmiac, Salpeter, u. d. g. aus Silber Gold machen ? ja zerstreuet wird es dadurch, aber nicht in Gold verwandelt und wenn es zersteuet, so wissen die wenigsten, es ohne Abgang wieder herzustellen.

8) Ferner sind Stümper, welche das Silber mit Zinnober−Cementation vermehren, und ein Theil davon in Gold verwandeln wollen. Allemal haben sie Abgang an ihrem Silber; viele wissen auch nicht das Pulver zu reduciren, da es doch wirklich Silber, und keine vermeinte Erde ist. Ihr versteht der wahren Authoren Meynung, von den principien Schwefel und Merkur, unrecht, wenn ihr es auf den Zinnober anwenden wollt: denn der Schwefel und Merkur der Weisen sind nicht Zinnober, ob er gleich nur unter einerley Gestalt erscheint, welches die Weisen von ihrem Schwefel und Merkur auch behaupten; euer Schwefel und Merkur lassen sich leicht trennen aber der Weisen Schwefel und Merkur sind genau mit einander verbunden, daß aller Witz sie nicht mehr trennen kann.

9) O wie thöricht handeln alle, welche unädle und ädle Metallen durch Corrosive verderben, und wie sie sagen, in die erste Materie umwenden wollen, um den Stein der Weisen dadurch zu verfertigen: O ihr Thoren, macht euch eine andere Vorstellung von der ersten Metall−Materie; die Corrosive haben mit den Metall−Principiis keine Gemeinschaft, sie sind zu weit entfernt, ja ihnen mer schädlich als nützlich. Lernet diese Wissenschaft erst besser verstehen. Das Solvens der Weisen bleibt bey seinem soluto, es ist den Metallen in der Wurzel befreundet und löset sie im Grunde auf, mit wahrer Gemeinschaft; durch unser Wasser werden die Metalle zu Wasser und Geist, oder in primam materiam aufgelöset, welche sodann in einen neuen verädelten Körper zurück gebracht werden kann!

Hinweg mit den zerfressenden Wassern, Schwefel, Arsenik, Salzen etc. sie alle leisten keinen Nutzen auf was Weise es auch sey. Also hütet euch, ihr Anfänger, vor allen diesen Betrügereyen; folget mir und meinen treuen Rath, entschlaget euch aller der Sophisterey, und begebet euch auf den vernünftigen Weg der Natur−Betrachtung: es steht nicht im Willen der Menschen, solche nach ihrem Wohlgefallen zu regieren. Euch will ich.

2. den rechten Weg der Verbesserung zeigen:

Teil 2: Aus dem rechten Wege zu der hermetischen Kunst, nebst Anmerkungen über die Irrwege

Quellenangaben:

*14 Anonymo: Aus dem rechten Wege zu der hermetischen Kunst, nebst Anmerkungen über die Irrwege, S. 1-3

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