Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim

Das Leben des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim

Einer der merkwürdigsten Männer des sechzehnten Jahrhunderts ist der Verfasser des Werkes Über die geheime Philosophie.

Es war gewiß ein seltsamer, fast abenteuerlicher Gedanke, aus Traditionen und Schriften ein förmliches System der Magie herzustellen, zu einer Zeit, wo dieselbe gar leicht in den Verdacht der Negromantie bringen und für ihre Freunde höchst verderblich werden konnte.

Agrippa hat dessen ungeachtet seine Aufgabe mit einer Gründlichkeit und Vollständigkeit gelöst, das alle Späteren, welche über geheime Wissenschaften schrieben, immer sein Werk als eine Hauptquelle benützten und oft ganze Abschnitte wörtlich von ihm entlehnen.

Das Buch über die geheime Philosophie zog übrigens seinem Verfasser, obwohl er sich gegen den Vorwurf der Negromatie, deren seine Gegner, das Wort Magie mißdeutend, ihn beschuldigten, auf’s Höchste verwahrte, dennoch große Unannehmlichkeiten zu, wie denn überhaupt seine Liebe zu geheimen Künsten nicht wenig dazu beitrug, das er sein ganzes Leben lang mit vielen widrigen Schicksalen zu kämpfen hatte. In Folgendem wollen wir ein Bild von dem vielbewegten Leben dieses Mannes zu entwerfen versuchen.

Heinrich Cornelius Agrippa wurde am 14. September 1486 zu Köln aus einem alten, reichen und ritterlichen Geschlecht, das den Namen von Nettesheim führte, geboren. Er studierte frühzeitig die Rechte und überließ sich zugleich – wie es der damalige Zeitgeschmack mit sich brachte – mit einem leidenschaftlichen Hange geheimen Wissenschaften und Künsten.

Alle in diesem Fach einschlagenden Werke, die damals aufzutreiben waren, scheint er gelesen zu haben, während andererseits eine umfangreiche klassische Bildung keineswegs bei ihm vermißt wird. Er verstand acht Sprachen und darunter waren nur zwei, die er nicht vollkommen inne hatte. Er sagt es selbst in seinen Briefen, ohne allzusehr den Bescheidenen zu spielen:

“Acht Sprachen habe ich gelernt, und sechs davon verstehe ich so gut, daß ich sie nicht nur sprechen kann, sondern auch elegant darin zu reden, sie zu dictiren und zu übersetzen weiß.”

Ferner rühmte er sich mannigfacher Kenntnisse in verborgenen Dingen und einer “christlichen Gelehrsamkeit”. Sehr frühzeitig arbeitete er auch am Stein der Weisen, und es scheint, daß man ihn einigen Fürsten als einen ausgezeichneten Mann im “großen Werke” (Goldmacherkunst) gerühmt hatte, was später etliche Male seine Freiheit in Gefahr brachte.

Noch als Jüngling (um das Jahr 1507) egab er sich nach Paris und stiftete dort eine geheime Gesellschaft, deren Zweck das Studium und die Betreibung geheimer Künste war, und die sich nachher durch Deutschland, Englang, Frankreich und Italien verbreitete. Zwar ging er seiner ökonomischen Bedürfnisse wegen nach seiner Vaterstadt zurück, bald aber reiste er wieder nach Paris.

Von jetzt an wechselte er immerwährend seinen Platz, und wir treffen ihn in den verschiedensten Situationen, bald als Krieger, bald als Gelehrten. Im Jahre 1508 ließ er sich in ein gefahrvolles Unternehmen ein. Aufrührerische Bauern hatten ein festes Schloß am Fuße der Pyrenäen, die schwarze Burg genannt, eingenommen und den königlichen Befehlshaber desselben, Jaennot, Agrippas Freund, daraus vertrieben. Agrippa unternahm es nun, diese Burg den Aufrührern wieder zu entreißen.

Das Unternehmen gelang zwar, wahrscheinlich durch Verräterei, und Agrippa ließ viele von den Bauern, welche die Besatzung ausmachten, töten; aber er wurde hier von den empörten Bauern wieder belagert und entkam mit seinen Begleitern nur durch die Hilfe des Abts eines benachbarten Klosters.

Folgend trieb er sich in Gesellschaft bald von diesem, bald von jenem seiner geheimen Ordensfreunde in Spanien, Italien und wieder in Frankreich an mehreren Orten herum und benützte die Astrologie und andere geheime Künste zum Erwerb.

Im Jahr 1509 treffen wir ihn zu Döle in Burgund, wo er öffentliche Vorlesungen über das mysteriöse Werk Reuchlins de Verbo mirifico hielt. Er tat dies mit so großem Beifall, daß er an eben dieser Akademie zum Lehrer der Theologie mit Besoldung angestellt wurde. Selbst Parlamentsräthe gingen in seinen Hörsaal. Jedoch geriet er bald mit der Geistlichkeit in Streit.

Die Mönche der damaligen Zeit vermuteten in Allem, was sie nicht verstanden, Irrthum oder Ketzerei: wie hätten sie dulden können, daß Agrippa ungestraft ein so geheimnisvolles Buch, wie das genannte Reuchlin’sche, öffentlich erklärte? Hauptsächlich mit dem Franziskaner Catilinet wurde er deßhalb in Streit verwickelt. Dieser verläumdete ihn wegen seiner kabalistischen Lehren und beschuldigte ihn der Ketzerei.

Um sich bei Margaretha von Östereich, der Regentin der Niederlande, in Gunst zu setzen, schrieb er damals auch seine Abhandlung von der Vortrefflichkeit der Frauen, wo unter anderen Argumenten für die Vorzüge des weiblichen Geschlechts auch mehrere kabbalistische vorkommen. Besonders meisterhaft ist darin die Schilderung der weiblichen Schönheit. Indessen erreichte Agrippa seinen Zweck nicht. Die Verfolgungen von Seiten der Mönche dauerten fort; er überließ ihnen nun das Feld und ging 1510 nach England, wo er seine Vertheidigung schrieb, sich mit den Briefen des heil. Paulus beschäftigte und noch ein anderes sehr geheimes Geschäft unter den Händen hatte.

Noch im Jahr 1510 kehrte er nach Köln zurück und hielt eine Zeit lang unter großem Zulaufe Vorlesungen über allerlei theologische Fragen (Quaestiones quodlibetales). Auf einer Reise nach Würzburg lernte er den Abt Tritheim, einen der größten Adepten in der Magie, Kabala und den geheimen Künsten kennen, hielt sich in dessen Kloster auf und wollte von ihm sehr Vieles gelernt haben. Auf seine Anregung nun schrieb er die bei den Liebhabern solcher Wissenschaften so berühmten drei Bücher von der geheimen Philosophie, in denen er die Absicht hatte, die alte Magie in ihrer ursprünglichen Reinheit herzustellen und von dem Vorwurfe gefährlicher Irrlehren zu befreien.

Nachher wurde Agrippa kaiserlicher Rath und zur Untersuchung und Verbesserung der Bergwerke gebraucht. Kurz darauf (1512) wurde er Hauptmann im kaiserlichen Heer, in dem Kriege Maximilians I. gegen die Venetianer und zeichnete sich durch seine Tapferkeit so aus, daß er auf dem Kampfplatz zum Ritter geschlagen wurde. Dabei setzte er das Studium der höheren Theologie und der geheimen Wissenschaften stets fort, da er seinen militärischen Ehren auch noch die akademischen beigesellen wollte. Er selbst drückte sich hierüber also aus:

“Ich wurde Doktor beider Rechte und der Medizin, vorher noch Ritter. Diesen Rang (den eines Ritters) habe ich mir nicht erbettelt, nicht nach einer Seereise angenommen, nicht bei einer Königskrönung durch schamlose Aufdringlichkeit weggeschnappt, sondern auf dem offenen Schlachtfelde, mitten in Kampfe habe ich ihn durch Tapferkeit erworben.”

Agrippa blieb nun beim kaiserlichen Heer, bis ihn der Cardinal de Sainte Croix nach Pisa rief. Hier würde er seine Talente als Theologe des Concils haben glänzen lassen, wenn diese Versammlung von Dauer gewesen wäre. Dies wäre wohl nicht der Weg gewesen, der römischen Curie zu gefallen oder auch den verbindlichen Brief zu verdienen, den er von Leo X. erhielt, und worin er wegen seines Eifers für den Apostolischen Stuhl gelobt wird, und zwar auf das Zeugnis hin, welches der Nuntius ihm ausgestellt hatte. Dieser Brief ist vom 12. Juli 1513 datiert.

Nach manchen Wanderungen in Italien umher lehrte Agrippa hierauf öffentlich die Theologie in Pavia und Turin. In Pavia hielt er im Jahre 1515 Vorlesungen über den Hermes Trismegistos. Aber auch hier blieb er nicht lange; noch in demselben oder wenigstens im folgenden Jahre verließ er diese Stadt. Sein weiterer Werdegang gleicht mehr einer Flucht, als einem Rückzug. Es erhellt dies aus seinen Briefen.

Er war damals verheirathet und hatte einen Sohn. Mit seiner Frau war er sehr zufrieden. Er schilderte sie als mit Allem begabt, was er wünschen konnte, als “ein Weib nach feinem Herzen”. Als schön, jung, tugendhaft, von edler Abkunft und mit einer immer gleichbleibenden Liebenswürdigkeit.

Seine Schriften aus dieser Periode betrafen übrigens Gegenstände der mystischen Theologie, die er im Geiste eines echten Mystikers behandelte, wohin unter Anderem das Buch de triplici ratione cognoscendi Deum gehört.

Es berichtet aus dem zweiten Buche von Agrippas Briefen, daß seine Freunde an verschiedenen Orten ihm eine ehrenvolle Stellung zu verschaffen suchten, entweder zu Grenoble, Genf, Avignon oder zu Metz. Er zog letzteren Platz vor, und wir finden ihn seit dem Jahre 1518 als Syndikus, Advocat und Redner dieser Stadt. Sehr bald entstehen wieder Streitigkeiten zwischen ihm und den Mönchen. Er nahm sich eifrig unschuldiger, der Hexerei angeklagter Personen an und befreite sie von Martern und Verfolgungen. Er war hierin der Vorgänger und selbst auch der Lehrer des Johann Wier, der nachher den Aberglauben an Hexerei so kräftig erschütterte und dadurch die Menge und Abscheulichkeit der Hexenprocesse minderte.

Von den Mönchen, an deren Spitze der Dominikaner und Glaubensinquisitor Micolaus Gevini stand, verfolgt, verließ Agrippa 1519 die Stadt Metz und begab sich in seine Vaterstadt Köln. Aber auch sein Aufenthalt in Köln, das jetzt der Hauptsitz des Mönchsthums in Deutschland war, dauerte nicht lange, zumal da er seine Gattin in Jahre 1521 durch den Tod verlor.

In jenem Jahr verließ er seine Vaterstadt wieder und gebab sich nach Genf. Dort scheint er sich in nicht sehr günstigen Verhältnissen befunden zu haben, indem er sich beklagte, daß er nicht vermöglich genug sei, um diese Reise nach Chanbéri zu machen und dort selbst um die Pension einzukommen, die man ihm von Seiten des Herzogs von Savoyen in Aussicht stellte. Diese Hoffnung wurde vereitelt und Agrippa zog hierauf von Genf weg und ging im Jahre 1523 nach Freiburg in der Schweiz, um dort die Medizin auszuüben, wie er es bereits in Genf tat.

In letzterer Stadt hatte er sich auch ein Jahr vorher zum zweiten Male verheiratet, und er lobte seine zweite Gattin nicht weniger, als die erste. Ob sie vermöglich war, sagt er so wenig, als beider ersten. Es scheint indeß nicht der Fall gewesen zu sein, denn Agrippas Briefe seit seiner zweiten Heirath predigen nicht minder das Elend, als die vorhergehenden.

Im Jahre 1524 wählte Agrippa Lyon zu seinem Aufenthalte, wo der Ruf seiner paktischen Kenntnisse bald so groß ward, daß Franz I. ihm eine Pension bewilligte, und die Mutter dieses Königs ihn zu ihrem Leibarzte wählte. Aber er hatte kein Glück und folgte nicht einmal seiner Gebieterin, als jene im August 1525 von Lyon abreiste, um ihre Tochter an die Gränze von Spanien zu begleiten. Man ließ ihn zu Lyon sitzen und vergebens den Credit seiner Freunde auf die Bezahlung seines Goldes hin anflehen. Bevor er diese beglich, erhielt er die Nachricht von seiner Entlassung. Der Grund dieser Ungnade war folgender.

Als der Connetable Carl von Bourbon in kaiserliche Dienste getreten war, schien diesem das Glück der Waffen zu folgen; die Kaiserlichen hatten schon Marseille, belagert und die Franzosen aus Italien vertrieben. Jetzt unternahm (1515) Franz I. wieder den Rath vieler verständiger Männer folgend, einen Heereszug nach Italien.

Des Königs Mutter verlangte nun von ihrem Leibarzte, er solle vermittelst der Astrologie erforschen, welchen Gang die französischen Angelegenheiten nehmen würden. Agrippa jedoch verweigerte eine Erklärung hierüber und mißbilligte laut, daß diese Fürstin ihn zu solchen Lappalien verwenden wolle, anstatt sich seiner in wichtigeren Dingen zu bedienen. Die hohe Dame nahm eine solche Weigerung sehr übel auf und wurde noch gereizter, als sie erfuhr, daß Agrippa dem Connetable von Bourbon die glänzendsten Erfolge prophezeite.

Agrippa wurde von da an als Bourbonist betrachtet. Um diesen Vorwurf von sich abzuweisen, erinnerte er an den Dienst, den er Frankreich geleistet, indem er 4000 gute Fußsoldaten von der Partei des Kaisers abwendig machte und sie veranlaßte, der Fahne Franz I. zu folgen; er führte an, daß er große Vortheile ausgeschlagen, die man ihm versprach, als er Freiburg verließ, im Fall er in den Dienst des Connetale treten wollte.

Aus dem 4. und 6. Briefe des 5. Buches erhellt, daß Agrippa zu Anfang des Jahres 1527, also bereits nach seiner Entlassung, in vertrauter Correspondenz mit diesem Fürsten stand. Er gab ihm Andeutungen und Rathschläge, weigerte sich jedoch, zu ihm zu gehen, und versprach ihm den Sieg. Er versicherte ihn, daß die Mauern von Rom bei den ersten Angriffen fallen würden; nur ließ er die Hauptsache weg, nemlich daß der Connetable daselbst getödtet werden würde. Der Tod des Connetable erfolgte, bevor Agrippa von Lyon abreiste.

Der Letztere hatte übrigens seine Entlassung keineswegs mit Resignation hingenommen. Er murrte, schimpfte und drohte mit der Verfassung von Schriften, in denen er alle Fehler der Höflinge, die ihn gestürzt hatten, aufdecken würde. Er sagte sagte frei heraus, er werde von nun an die Fürstin, deren Rathgeber und Arzt er gewesen, für eine grausame und treulose Isabel halten. Er schrieb und sagte Alles, was seine üble Laune ihm eingab; aber endlich mußte er an ein neues Unterkommen denken.

Er warf seine Blicke auf die Niederlande, konnte aber längere Zeit nicht einmal den nöthigen Paß zu Paris erhalten. Eine von den Ursachen dieser Verzögerung war die Brutalität des Herzogs von Bendóme, der den Paß, statt ihn zu unterzeichnen, zerriß, indem er sagte, daß er keinen Paß für einenWahrsager unterzeichnen wolle. In dieser Periode von Agrippas Leben fällt auch die Ausarbeitung seines satyrischen Werkes de vanitate scientiarum, sowie er auch manche andere kleine Schriften und vermeintliche Erfindungen aus dem Gebiete der geheimen Künste damals zu Stande brachte.

Von höchstem Geldmangel gedrückt, verließ Agrippa endlich Frankreich und kam im Juli 1528 zu Antwerben an, wo er einen Freund durch große alchemistische Versprechungen für sich gewonnen hatte. Da er sich in dieser Gegend den Ruf eines Wunderarztes erwarb und auch zu öffentlichem Ansehen gelangte, so würde er sehr glücklich haben leben können; jedoch verlor er seine geliebte zweite Gattin, die ihm mehrere Kinder geboren hatte, in ihrem siebenundzwanzigsten Lebensjahre an einer pestartigen Seuche, was ihn außerordentlich niederbeugte. Indeß schien das Glück durch eine unerwartete Gunst diesen Verlust mildern zu wollen. Er erhielt im Jahre 1529, fast zur gleicher Zeit, einen Ruf von König Heinrich von England, von dem Kanzler des Kaisers, von einem italienischen Marquis und von Margareha von Oestreich, Statthalterin der Niederlande.

Er wählte nun die Stelle eines kaiserlichen Archivarius und Historiographen unter der Regentin Margaretha. Er währte nicht lange, so wurde er aufs Neue von den Mönchen und Schulgelehrten, die an ihm einen eben so unermüdlichen, als überlegenen Gegner hatten, auch bei dieser Fürstin angeschwärzt. Er betrachtete es als ein Glück, daß Margaretha, die man sehr gegen ihn eingenommen hatte, bald darauf starb. Man lasse ihn fast verhungern, sagt er in einem Brief aus jener Zeit.

Nach Margarethens Tode suchten ihn seine Gegner bei den Kaisern Ferdinand und Karl V. zu verläumden. Letzterer wurde besonders durch einige aus dem Werke de vanitate scientiarum, daß Agrippa im Jahre 1530 drucken ließ, gegen ihn aufgebracht. Aus dem Zusammenhang gerissene und mißdeutete Stellen, welche die Löwen’schen Theologen dem Kaiser vorlegten.

Das Werk von der geheimen Philosophie, das er bald nachher zu Antwerpen herausgab, lieferte seinen Feinden neuen Stoff zur Verfolgung. Zwar nahmen der Cardinal Campegius, päpstlicher Legat, und der Cardinal von der Mark, Bischof von Lüttich, sich seiner an; sie vermochten jedoch nicht zu verhindern, daß ihm sein Sold als Historiograph nicht ausbezahlt wurde, wodurch er mit seiner Familie in arge Not gerieten. Ebenso wenig konnten sie verhindern, daß er im Jahre 1531 in die Gefängnisse von Brüssel geworfen wurde. Er blieb jedoch nicht lange darin.

Im folgenden Jahre machte er einen Besuch bei dem Erzbischofe von Köln, dem er seine Philosophia occulta gewidmet, und von dem er deshalb einen sehr schmeichelhaften Brief erhalten hatte. Die Furcht vor seinen Gläubigern war Ursache, daß er sich länger im Kölner Gebiete aufhielt, als er wollte. Lebhaft widersetzte er sich den Inquisatoren, welche den Druck seiner geheimen Philosophie hatten verhindern wollten, als er davon in Köln eine verbesserte und vermehrte Ausgabe entstehen ließ. Den Inquisatoren zum Trotz wurde der Druck vollendet. Es ist dieß die Ausgabe vom Jahre 1533. Nachher lebte er in Bonn bis zum Jahr 1535, wo er sich auch von seiner zu Mecheln geheirateten dritten Gattin trennte. Folgend bekam er Lust, nach Lyon zurückzukehren.

In Frankreich nahm man ihn gefangen, weil er etwas gegen die Mutter von Franz I. geschrieben hatte; jedoch wurde er auf die Bitte gewisser Personen wieder freigelassen und ging dann nach Grenoble, wo er noch im selben Jahr, 1535, starb.

Seine Feinde sagen, er sei im Hospital gestorben. Allein nach Gabriel Raude starb er im Hause des Generaleinnehmers der Provinz Dauphine, dessen Sohn erster Präsident von Grenoble war. Alland versicherte in seiner Bibliothéque de Dauphine, daß Agrippa in einem Hause in der Rue des Clercs, daß damals in Besitz des Präsidenten Bachon war, gestorben und bei den Dominikanern begraben worden sei.

Nach Agrippas Tode erschien zu seiner “geheimen Philosophie”, die er in drei Büchern herausgegeben hatte, noch ein viertes, das aber nicht von ihm herrührt. Wenn nicht schon der völlig verschiedene Stil einen anderen Autoren verrät, so würde das ausdrückliche Zeugniß Wiers dies außer allen Zweifel setzen. Agrippa war schon seit vierzig Jahren tot, als dieses vierte Buch erschien, und zwar als ein Schlüssel zu den vorhergehenden. Von einem solchen Schlüssel hatte Agrippa allerdings gesprochen. Man glaubte, er hätte ihn zu Lebzeiten für sich behalten und nur seinen vertrautesten Freunden mitgeteilt. Was er aber selbst darunter versteht, sagt er in seinen Briefen, wo es heißt:

“Dieß ist die wahre und geheime Philosophie von den Wundern der Natur. Der Schlüssel dazu ist das Verständniß, denn je höher wir in unserer Erkenntniß gelangen, um so leichter und mit um so mehr Erfolg vollbringen wir die größten Dinge.”

In zwei anderen Briefen, an den Augustiner Aurelius von Aquapendente, erwähnte er ebenfalls eines solchen Schlüssels mit den Worten:

Was man von der unbesiegbaren Gewalt der magischen Kunst, von den wunderbaren Bildern der Astrologen, den Verwandlungen der Alchemisten und jenem gepriesenen Stein, durch welchen midasgleich alle Metalle in Gold verwandelt werden, Erstaunliches erzählt und schreibt, wird als nichtig, erdichtet und falsch erfunden werden, so oft man es buchstäblich nimmt.”

Ferner:

Wer möchte behaupten, daß die Überlieferungen großer und ernster Philosophen, die über solche Dinge schrieben, falsch seien? Nein, es wäre unrecht, sie für Lügen zu halten; nur ist der Sinn ein anderer, als wie die nackten Buchstaben ihn geben. Wir dürfen das Principio so großer Operationen nicht außer uns suchen: es wohnt ein Geist in uns, der sehr gut vollbringen kann, was immer die Mathematiker, Magier, Alchemisten und Necromanten Wunderbares und Erstaunliches zu leisten im Stande sind.”

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