Pentagramm

Das Pentagramm

Das Pentagramm bei den Juden

Auch bei den Hebräern fand das Pentagramm seine Verwendung. Es wurde als Symbol für die fünf Bücher Mose verstanden – und damit als ein Zeichen für die göttliche Wahrheit. Bereits aus der Zeit des ersten Tempels liegen archäologische Funde vor, die es zeigen. Zwischen 300 und 150 vor Christus taucht das Pentagramm als offizielles Siegel Jerusalems auf. Als solches schmückte es Waffen und Schilde. Möglicherweise hat dieser Gebrauch des Pentagramms dazu geführt, dass es später auch als der „Stern des Ostens“ bezeichnet wurde. In den Ruinen der Synagoge von Kapharnaum (4. Jhdt. n. Chr.) findet man heute noch ein Pentagramm (in der Form des „ewigen Knotens“) – In der jüdischen Mystik wurde es auch als das Siegel Salomos bezeichnet (nachweislich ab dem 14. Jhdt. n. Chr.) – als solches galt es bereits als okkultes Symbol, dessen Gebrauch magische Kräfte verleihen könne. Als Banner und Heilszeichen wurde es schon im 3. Jhdt. v. Chr. von Antiochus Soter im Kampf an den Schilden angebracht. Dieser Brauch wurde auch von den byzantinischen Kaisern weitergeführt. Die Verwendung des Pentagramms als Schutzsymbol im Kampf könnte den Hintergrund für die Verwendung dieser Sternenform zur Kennzeichnung militärischer Ränge auch in moderner Zeit bilden.

Die christliche Bedeutung des Pentagramms

Während die Zahl Fünf in der jüdischen Zahlensymbolik von untergeordneter Bedeutung bleibt, erhielt sie im Christentum ein größeres Gewicht. Jesus segnet die „Fünf Brote“, da ist die Rede von „fünf klugen“ und „fünf törichten“ Jungfrauen, vor allem aber trägt der Leib des Auferstandenen die fünf Wunden. Von der frühen Christenheit bis in das hohe Mittelalter wurde daher auch das Pentagramm als christliches Symbol verwendet. Es stand zunächst für die fünf Wunden Christi, denen das Heil der Welt entströmt (eine interessante Verbindung des allbekannten Heilszeichens mit den Wunden Christi). Kaiser Konstantin hatte das Pentagramm in seinem Siegel, gemeinsam mit dem Chi-Ro Symbol.

Während das Kreuz als Symbol des Leidens Verwendung fand, stand das Pentagramm als Symbol für Wahrheit (Signum Veritatis). So wurde auch der Stern von Bethlehem als Pentagramm dargestellt. Als Symbol der Epiphanie erinnerte das Pentagramm daran, dass durch diesen Stern die Magier aus dem Morgenland zur Wahrheit geführt wurden. Insofern ist es auch zu verstehen, wenn heute solche „Sterne von Bethlehem“ im Rahmen einer Weihnachtsaktion zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land verkauft werden. Im europäischen Rittertum begegnet das Pentagramm auch als Symbol für die fünf ritterlichen Tugenden Edelmut, Höflichkeit, Reinheit, Tapferkeit und Frömmigkeit.

Stilisierte Fünfecke oder fünfstrahlige Elemente finden sich zahlreich in gotischen Kirchen. Die Marktkirche von Hannover trägt weithin sichtbar ein Pentagramm auf der Außenfassade des Turmes.

Im christlichen Mittelalter wird das Pentagramm als „unendlicher Knoten“ und Symbol der Wahrheit auch als dämonenabwehrendes Zeichen verwendet. Als solches trägt man es gleich einem Amulett oder bringt es an Gebäuden, Türen und Fenstern an. Dabei bedeutete das aufrecht stehende Pentagramm zunächst bloß den Sommer, das umgedrehte (mit zwei Spitzen nach oben) den Winter.

In den deutschsprachigen Ländern ist das Pentagramm auch als „Drudenfuß“ bekannt. Diese Bezeichnung kommt von dem Glauben, dass die Druden einen Gänse- oder Entenfuß hätten, dessen Abdruck dem Pentagramm gleiche.

Aber auch als solches wird es zusammen mit christlichen Symbolen gebraucht: Eine Kinderwiege, die am Fußende das IHS Symbol trägt und am Kopfende das Dämonenabwehrende Pentagramm ist nichts ungewöhnliches. Ein Ring mit dem Pentagramm, an dessen Sternspitzen die Buchstaben SALUS zu finden sind ebenso wenig.

Von daher ist es auch zu verstehen, wenn Johannes De La Salle den Fünfzackigen Stern als „Signum Fidei“ zum Siegel des Ordens der Schulbrüder erwählt. Im 17. Jahrhundert wurde dieser Stern noch nicht verdächtigt.

Das Pentagramm als okkultes Symbol

Aufgrund seiner Bedeutung als Symbol der „Weisheit“ hat das Pentagramm auch in den meisten esoterischen Traditionen seinen besonderen Stellenwert. Die ersten Verdächtigungen des Pentagramms als Symbol des Bösen sind dann auch nach manchen Vermutungen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Ketzertum des späten Mittelalters zu sehen. Das Pentagramm wurde schließlich auch von denen verwendet, die noch dem Pan und anderen heidnischen Gottheiten huldigten. Außerdem fand das Pentagramm auch seinen Platz in den Okkultgesellschaften und Alchemistenkreisen, die ab der Renaissancezeit vermehrt entstanden. Nach und nach taucht das Pentagramm im Zusammenhang mit schwarzer Magie auf. Sowohl Paracelsus, als auch Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim nehmen breit Bezug auf die magische Bedeutung des Pentagramms. Dabei steht es aber vor allem als Symbol für den Menschen. Am Beginn des 18. Jhdts. griffen auch die Freimaurer, denen die pythagoreische Geometrie sehr wichtig war, dieses Symbol auf.

In Bezug auf den magischen Gebrauch dieses Zeichens ist festzuhalten, dass es bis vor wenigen Jahrzehnten als Schutzzeichen gegen Hexen oder Dämonen verstanden wurde. Als solches verwendet es auch Goethes Faust, wenn er Mephisto ruft. Diese Hintergründe lassen auch verstehen, warum das (durchgezeichnete) Pentagramm in der Kirche schließlich immer weniger Verwendung fand.

Viel eher noch, wird es verwendet als Entsprechung der Elemente. Seine fünf Spitze symbolisieren nach westlicher Tradition die fünf Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer und Äther, also Geist. Das Pentagramm gilt auch als Darstellung des Mikrokosmos.

Die Deutung des auf die Spitze gestellten Pentagramms als Symbol für den Teufel geht allerdings erst auf Elipahs Levi (1810-1875) zurück und ist damit noch keine zweihundert Jahre alt [1]. Ausgehend von seinen Schriften fand das Pentagramm seine Verwendung in der neuen Ritualmagie. Der Magier, der sich vor dem Angriff dunkler Kräfte schützen will, zeichnet mit dem „magischen Schwert“ das „Pentakel“ auf den Boden: einen (Schutz-) Kreis in den das Pentagramm eingeschrieben wird. Der Magier stellt sich in die Mitte dieses Pentakels und führt dort seine Rituale aus. In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wählte Gerald Gardner (der Begründer der neuheidnischen Wicca Bewegung) das auf der Spitze stehende Pentagramm als Siegel der Einweihung. Schließlich wählte auch Anton Szandor La Vey dieses Pentagramm (oder auch Siegel des Baphomet) im Jahre 1966 als Siegel der „Church of Satan“. Seit den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts avancierte das Pentagramm zum Siegel aller echten Satanisten und Pseudosatanisten. Heute ist das Pentagramm das Symbol der Magie und des Hexentums schlechthin. Mit der Spitze nach oben weißt es hin auf weiße, mit der Spitze nach unten auf schwarze Magie.


Einzelnachweise

1.: „Das Pentagramm, das man in den gnostischen Schulen den flammenden Stern nennt, ist das Zeichen der Allmacht und der geistigen Selbstherrschaft. Es ist der Stern der Magier, das Zeichen des fleischgewordenen Wortes, und je nach der Richtung seiner Strahlen stellt dieses Symbol in der Magie das Gute oder das Böse, die Ordnung oder die Unordnung, das heilige Lamm des Ormuts und des hl. Johannes oder den teuflischen Bock von Mendes dar. … Zeigt das Pentagramm mit zwei seiner Strahlen nach oben, so stellt es den Satan oder den Bock des Sabbat dar, ist nur einer seiner Strahlen nach oben gerichtet, so bezeichnet es den Erlöser …“ Eliphas Levi, Geschichte der Magie, Bern 1997, Seite 345

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