Vorrede an den Cabalisten – Magia naturalis et innaturalis, oder Dreifacher Höllenzwang, letztes Testament und Siegelkunst von Doktor Johannes Faust

Vorrede an den Cabalisten – Magia naturalis et innaturalis, oder Dreifacher Höllenzwang, letztes Testament und Siegelkunst von Doktor Johannes Faust

DOCTORIS JOHANNIS FAUSTI
MAGIA NATURALIS ET INNATURALIS

Erster Theil
Der
Dreyfache Höllenzwang
genannt.

Vorrede an den Cabalisten

Wer sich mit denen Geistern ergeben will, der muß sich vorher wohl prüfen, ob er hiervon auch Nutzen haben kann, denn sonst wären alle seine Mühe vergebens. Dahero wenn du einen Geist ruffest, so must du wissen zu was Ende du denselben haben wilst, denn die Geister sind nicht einerley. Zum Exempel du verlangst Geld, entweder von denen Schätzen oder auch ohne dieselben so Kannst du den Aciel vorhero auf einen Scheide Wege ruffen, als denn an bewusten Orten. Verlangst du aber Künste, Wissenschaften oder etwas anderes, so must du auch den Geist, worüber er gesetzt ist, ruffen. Hierbey aber merke, daß dir kein Geist pariert, wo du

  1. in der göttlichen Schrift nicht wohl erfahren bist
  2. ist es nöthig, daß du deine Natur untersuchest, ob dir auch die Geister zugethan sind.
  3. Ob du grobe und frevelhafte Sünden begangen.
  4. Ob du fleißig zur Kirche und heiligen Nachtmahl gegangen und etliche Tage vorho solches empfangen hast.
  5. Ob du keusch und ohne Wollust mit Weibs Personen überhaupt gelebet.
  6. Ob du stets erbar in reinlicher Kleidung und süßen Geruch, wie auch stille, verschwiegen und an einen geheimen Orthe bist.
  7. Ob du alle Zubereitungen, einen Exorcismum gelehrt anzustellen, angeschaffet, auch des Lesens und Schreibens sehr wohl erfahren bist.

Wenn du dieses alles wohl observiren wirst, so wird dein Begehren ohne Zweifel erfüllet werden. Nur wiße, das jeder Geist das erste mahl auf einem Creutzwege zu citiren ist. Noch ist zu merken, daß der Mensch bei einer jedweden Operation dreyerley in acht zu nehmen ist. Erstlich, wie der Geist kömmt, ob er grausam oder erschröcklich erscheint, wenn er zugegen ist, so muß sich der Mensch ein rechtes Herze fassen, daß er den Geist durch Zwang ändert, welchen Zwang, ich Faust dir auch hernach setzen will.

Kömmt aber der Geist sittsam, so muß sich der Mensch auch wohl in acht nehmen, daß ihn der Geist nicht bevorttheilet, es ist zwar wohl gut, wenn die Geister stille kommen, aber auch bisweilen ist es nicht rathsam, wenn sie so gar stille seyn. Mein Mephistophilus aber, wenn er grausam kömmt, da ist nicht viel mit ihm zu machen, wegen seiner grausamen und abscheulichen Gestalt, sonst ist deswegen gut mit ihm zu reden aber er läßt sich auch gleich darzu bewegen, daß man mit ihm reden kann und auch mit ihm tractiren, was einer von ihm haben will. Der Barbiel aber, kömmt ganz stille und betreuget wichtig, wenn dieser gleich stille kömmt, so muß man ihn in der Conjuration nach recht angreiffen, wenn er dienen soll in Diebes Sachen. Ich, Faust, sage aber in Wahrheit aller Wahrheit, daß es sich mit keinem Geiste aus dem höllischen Heere beßer umgehen lässet als mit Marbuel, ob er gleich zuerst etwas ungleich redet, aber er zeiget richtig alle verborgene Reichthümer, ob er sie gleich nicht verschaffen kann, so kann man doch ohne diesen Geist nichts recht machen,es sey denn daß es der Mensch schon weiß, wo oder von wem man das Verborgene suchen will, da der Mensch noch lebet und nicht wieder zu denen Seinigen gelangen Kann, was er verborgen hat, und mit demselbigen allhier das Geheimniß vorgehen soll, und es sey auch dahin gestellt, so habe ich Faust doch selber erfahren: Denn der Mensch zeigt wohl wo es seyn soll und wie viel es seyn soll, aber es ist aus der Städte gerucket, so zeigt es doch Marbuel wieder.

Ich, Faust, sage nur so viel, daß ohne dem Marbuel kein Geheimniß kann erfunden werden, in denen Mineralien und was mit denen kann gemacht werden, daß man ihn aber auch recht angreifen muß, ist auch wahr, aber doch nicht so schwer wie Aciel. Dieser ist ein schlauher Geist und Fürst, wer noch nicht gewitziget worden ist der ruffe nur den Aciel, der kann den Menschen führen in die weite Welt, aber wer ihn recht anzugreiffen weiß der ist hier ein gesegneter Mensch auf Erden; Wer aber den nicht weiß zu tractiren, der Kann aus meinen Parabeln den Aciel lernen erkennen, auch wie er zu tractiren ist; Vors erste ist er ein listiger Geist, er macht nicht viel Wortte wenn er nicht muß, aber man muß sich mit der Geißlung allezeit recht wohl vorsehen, thust du das nicht, so wirst du von ihm Straffe leiden, denn er hat drexerley Fallstricke.

Erstlich kommt er unsichtbar, da must du ihn an seinem Schatten erkennen, wenn nun dein Creyß nicht tüchtig ist, so gedenke daß du sterben must, es sey denn daß du dich mit Siegeln verwahrt und wohl versehen hast.

Aber wenn er zum andern in seiner Ungestalt kömmt mit grossen Gepolter und siehet aus wie ein großer rother Ochße, da must du einen hertzhafften Muth haben daß er dich nicht bethöret. Halte aber deine Conjuration nur gemachsam, so wird er sich verwandeln in eines Hundes Gestallt, traue aber ihm nicht denn er ist noch nicht geschmeidig.

Zum dritten, wenn er ist, daß du meynest er ist dir zugethan, so betreugt er dich am ersten, darum must du ihm mit seinem Zwang-Sigillo beykommen, und ihn darmit fangen, als wie oben in seiner Parabel mit mehreren zu ersehen ist. So ferne sich auch der Mensch denen Geistern ergeben will (davor Gott einen jeden behüte) der ergebe sich denen durch die er noch auf dieser Welt eine Ergötzlichkeit haben, so must du es also anfangen, du must. ruffen meinen Mephistophielis derselbe ist ein Geist aller heimlichen Künste, da kanst du in Künsten viel von ihm erfahren. Aber er macht nicht gerne Pacta, sondern ehe er einen Pact mit dir macht, so warnet er erstlich dem Menschen sehr treulich davor, er solle bedenken wovon er sich trennet; Will aber der Mensch sich nicht warnen laßen, so thut ers und verpackt sich mit ihm auf alle Künste, in summa sie haben Nahmen wie sie wollen. Es ist bey diesem Geiste wohl etwas zu profitiren aber alles durch Künste. Was nun den Barbiel anbelangt, so kann er nicht viel beytragen, als alles was gestohlen ist, das kann er wieder verschaffen mit sammt den Dieb. Aber von Marbuel ist was zu erhohlen, der verräth alle verborgenen Güther, da bey dem Geiste muß man recht aufstellen, so kann mandenn was bey Aciel erfragen, und durch des Marbuel seiner Verrätherey, bei dem Aciel Geld und sehr großes Guth gewinnen. Aber man muß sich bei allen wohl vorsehen daß man keinen Schaden leidet. Drum lieber Nachfolger nimm alles sehr wohl in acht wovor ich dich gewarnet habe.[13]


Einzelnachweise

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.