Was ist Magie?

Auf diese Frage lässt sich vielfältig antworten, doch nie lässt sich eine mit Worten unerfassbare Vielfalt mit Worten beschreiben. Doch trotzdem muss dem neuen Leser eine Vorstellung gegeben werden. Im Laufe des Studiums sind mir verschiedene Definitionen untergekommen. Manche möchte ich einführend präsentieren.

Was die Magie sei? Diese Frage wird sich in keinem Satz, und sei er noch so lang und verschachtelt, darlegen können. Vielfältig sind die Bereiche magischer Tätigkeiten oder Erscheinungsformen. Daher kann jede Definition der Magie immer nur eine Annäherung – oder eine Verwirrung – sein, egal wie nahe sie der unbegreiflichen Wahrheit auch kommen möge. Dies muss begriffen sein.

Magie ist unbekannte Naturwissenschaft.

– Carl Du Prel, Magie, Seite 8

Nach Aleister Crowley

Die wahrscheinlich im westlichen Kulturraum bekannteste Definition stammt von einem der wichtigsten Magier des zwanzigsten Jahrhunderts, dem Engländer Aleister Crowley:

Magie ist die Kunst und die Wissenschaft, im Einklang mit dem Willen Veränderungen herbeizuführen.

– Aleister Crowley

Nach Israel Regardie und Francis King

„Obwohl die Definition von Aleister Crowley tatsächlich den Kern magischer Praxis treffend beschreibt, ist sie für den Laien und Anfänger doch eher zu allgemein und zu weit gefasst. (So betrachtet wäre auch das Betätigen eines Lichtschalters zum Zwecke der Beleuchtung eines Zimmers bereits Magie. Dem ist auch tatsächlich so, doch nur auf einer philosophischen Stufe, wie wir sie erst später in diesem Lehrgang behandeln können und wollen. ) Denn in der Regel wird vom Begriff „Magie“ etwas anderes, Spezielleres erwartet, eine Disziplin nämlich, die sich eher mit „feinstofflichen“ Einflüssen wie der Beeinflussung von Schicksalsfaktoren und „Zufällen“ befaßt; außerdem bietet der obige Satz keinerlei Anhaltspunkte für die bei der Magie verwendeten Techniken und Methoden. Einige angelsächsische Autoren wie Israel Regardie und Francis King haben dem Rechnung getragen und versucht, Crowleys Definition zu erweitern:“ [1]

„Magie ist die Kunst und die Wissenschaft, mit Hilfe veränderter Bewusstseinszustände im Einklang mit dem Willen Veränderungen herbeizuführen.“

Senf

Meine eigens mir liebste Definition ist folgende, welche ich selbst in Gesprächen mit „Laien“ verwende. Sie bringt nicht nur die neutrale Wertigkeit zum Ausdruck, sondern auch, so kann man folgend leicht erörtern, eine Demystifizierung mit sich.

„Magie ist das, was wir über die Natur heute noch nicht verstehen.“

Warum ist diese Definition entmystifizierend? Weil wir, und diese Annahme ist falsch, Magie für etwas „übernatürliches“ halten. „Übernatürlich“ wird für Dinge genutzt, welche nicht erklärt werden können. Alles andere ist „natürlich“ klar. Klar erkennbar, begreifbar, erklärbar. Auch wenn die aktuelle Schulwissenschaft falsch an die Versuche der Erklärung und Erforschung herangeht, produziert sie immer wieder, oft durch Zufall, Erklärungsmodelle, welcher den Wahrheiten der Welt nahe kommen könnten. Beispielsweise seien hier die Beobachtungen mit Hilfe der Quantenmechanik. Der Zusammenhang mit magischen Wirkprinzipien und Phänomenen ist offensichtlich. Und was passiert nun? Die Entmystifizierung beginnt. Nichts ist mehr „übernatürlich“, nichts mehr okkult, nichts geheim, verborgen, unerklärlich und unbegründbar. In den Köpfen der Magie Außenstehenden ist das doch keine Magie mehr! Aha. Was die Wissenschaft heute stümperhaft sehen und erklären will, hat der Wissende, der Weise, der Mago doch oft schon längst durchschaut und wendet dieses Wissen im Idealfall an.

Wenn mich ein Aussenstehender fragt, was Magie denn sei, dann ist ihm gut damit geholfen, wenn er begreift, das „Magie das ist, was wir (im Sinne der durchschnittlichen Allgemeinbevölkerung) über die Natur heute noch nicht verstehen.“ Und auch der Strebende sollte diesen Satz gut und stets bedenken. Getreu dem Herren, an welchen ich mich namentlich gerade nicht erinnern kann:

„Wer die Weisheit sucht, wird weise. Wer sie findet, ein Narr.“

Hat Magie mit Wissenschaft zu tun?

Schon der Versuch Magie mit Wissenschaft in Zusammenhang zu bringen, wird von eben jener Wissenschaft unnachgiebig lächerlich gemacht und in Verruf gebracht. Auch wenn viele Magier ihre Tätigkeiten als eine Art Wissenschaft betrachten, wird wenn überhaupt, oft nur die Zustimmung der etablierten Wissenschaft gesucht, welche immer und immer wieder das ein oder andere Gesetz oder Phänomen ergründen oder zumindest zugeben muss. Selbst bringt sich der Magier ungern in einen wissenschaftlichen Zusammenhang. Denn jenes wissenschaftliche Grundgerüsst, ja seine Existenz, beruht auf unantastbaren Dogmen, physischen und mechanischen Gegebenheiten, auf der Wahrnehmung von lediglich 5 Sinnen. Die Wissenschaft war und ist voller Dogmen, erkennt Andersartigkeit nicht an, doch kann trotz dessen hilfreich sein. Die nüchterne Betrachtung, so wie wissenschaftlich üblich, kann gewiss auch unterstützend wirken – wenn auch nicht immer.

Ist Magie gefährlich?

Verneinen wäre falsch. Mit Ja antworten, wäre jedoch mindestens genauso fehl. Wir kommen gleich ernsthaft zum Thema, jedoch: gibt es etwas, was keine Gefahren birgt? Nach langer Überlegung habe ich nichts gefunden. Sie werden immer, egal ob Sie sich aktiv oder passiv verhalten, ein Restrisiko finden. Wenn dies falsch sein sollte, bitte ich sehr um ein Kommentar.

Bei jeder Tätigkeit, kann durch falsche Handhabung von Dingen Schaden entstehen. Wir können durch falsche Planung zu spät kommen, die Vase kann durch nasse Hände aus den Händen fallen. Das Auto kann durch zu schnelles Fahren von der Strasse abkommen und durch Fehlbedienung kann ein Atomkraftwerk explodieren. Es gäbe noch tausende, gar Millionen an Tätigkeit und den dazugehörigen Missgeschicken, die wir in ihrer Tragweite zwischen den genannten ansiedeln könnten. Wir Mensch sind nicht (alle) doof. Sinnvoll also, weil wir oft genau wissen: „Von Atomkraftwerken oder von Chemikalien, habe ich keine Ahnung – da kann nichts gGutes bei raus kommen, wenn ich damit was mache. Eine Vase heben, das traue ich mir aber zu.“

Das Spektrum und die damit verbundenen Gefahr der Magie, liegt zwischen Vasen hochheben und Atomkraftwerke bedienen. Auch kann alles funktionieren, egal wie gefährlich ein Scheitern wäre. Nur stets sollte man überlegen: kann ich einen Unfall hinnehmen. Verwechsele das nicht mit einem Scheitern – das ist etwas anderes.

Die grösste negative Auswirkung, welche durch magische Handlungen vollbracht wurden, möchte ich niemandem wünschen. Nicht nur, das die Handlung ihr Ziel wie ein Streufeuer erreicht hat, also auch umliegenden Schaden verursachte. Auch wurde der Ausführende massiv geschädigt. Bis zum letzten Tag, als ich mit jener Person sprach. Sicher hält dies bis heute an.

Da ich ein wahres Beispiel der Gefahr anführe, muss richtig gestellt werden:

Ist Magie gut und förderlich?

Die Themen- und Gedankeninhalte, welche mir seit dem Studium mit okkulten Wissenschaften begegnet sind, waren und sind die heilsamsten überhaupt. Denn Magie führt vor allem zu einem: zu Selbsterkenntnis. Zu Kenntnis über uns und die Welt im Ganzen. Wer dies kennt, erkennt dessen Wert und wird mit jenem verbunden. Keine konkrete Erkenntnis und deren Auswirkung will ich anführen, doch kann ich versichern: wer die geistige Stärke besitzt, die wahre Welt zu erforschen und dann auch zu erfahren, der wird es nicht bereuen. Doch – wisse auf was Du Dich einlässt und besitze die nötige Stärke! Denke an diese Worte: Sind die Konsequenzen eines Unfalls hinnehmbar?


Einzelnachweise

  1. Frater V.D., Kursus der praktischen Magie – Modul 1, 1987, Seite 14